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Die achtstündige Fortbildung der Fachstelle für Prävention NÖ vermittelt ein kompaktes Instrumentarium an Methoden der Frühdiagnostik sowie einen Interventionsleitfaden für das ärztliche Gespräch.
Bereits kurze Gesprächssequenzen können mit Switch wirksam sein und dazu beitragen, psychische wie physische Folgeschäden von problematischem Alkohol- oder Nikotinkonsum zu reduzieren. Mit Switch erweitern Ärztinnen und Ärzte ihre Kompetenzen in der Gesprächsführung. Die vermittelten Methoden können zudem auch bei anderen sensiblen, gesundheitsrelevanten Themen angewendet werden.
Ich habe mehr als 25 Jahre in unterschiedlichen Einrichtungen der Suchthilfe als Ärztin und Psychotherapeutin gearbeitet. 2006 lernte ich die Motivierende Gesprächsführung kennen und habe sie in meine Arbeit integriert.
Sehr bald erlebte ich die positiven Effekte einfacher Maßnahmen, wie z.B. das Betonen der Autonomie, auf den Gesprächsverlauf. Insbesondere dann, wenn sich das Gegenüber gerade nicht mit den problematischen Konsummustern und ihren Folgen auseinandersetzen möchte und dazu neigt, ein Ansprechen als Grenzüberschreitung und Einschränkung der persönlichen Freiheit wahrzunehmen.
Auf den Satz „Das lasse ich mir nicht auch noch von Ihnen verbieten“, „da bleibt mir ja gar kein Vergnügen mehr“ beispielsweise zu antworten mit „Ja, Sie haben Recht – ich kann Ihnen gar nichts verbieten – nur Sie selbst entscheiden, worauf Sie eventuell verzichten wollen.“ oder „Sie haben Recht – nur Sie selbst entscheiden, ob und was Sie verändern wollen.“ hat häufig erst ein konstruktives Gespräch mit aktiver Beteiligung des Gegenübers ermöglicht.
Oft habe ich auch erlebt, wie verwundert Menschen sind, wenn sie nach den persönlichen Vorteilen gefragt werden, die ihr Konsum mit sich bringt. Die detaillierte Beschäftigung mit den Vor- und Nachteilen des Konsumverhaltens wird in der Motivierenden Gesprächsführung jedoch als sehr wichtig angesehen – besonders bei Patient*innen, die einer Veränderung noch sehr ambivalent gegenüberstehen.
Ambivalenz wird als natürliches Phänomen im Verlauf eines Veränderungsprozesses verstanden, als Zeichen dafür, dass jemand bereits beginnt, sich mit der oftmals unvorstellbar erscheinenden, schmerzhaften, aber zunehmend als notwendig empfundenen Veränderung auseinanderzusetzen.
Ein gutes Gespräch nach den Kriterien der Motivierenden Gesprächsführung gleicht einem gemeinsamen Tanz auf Augenhöhe. Das gemeinsame Beleuchten und Ausloten der Möglichkeiten stehen im Vordergrund.
Ohne erhobenen Zeigefinger, ohne metaphorische Brechstange oder verhörartige Fragen ermöglicht das Kurzinterventionskonzept, die intrinsische Motivation der Patient*innen zu gesundheitsbewussten Veränderungen zu erhöhen.
Haltung, Prinzipien und Methoden der Motivierenden Gesprächsführung zu integrieren, hat meine Arbeitsweise auf vielfältige Weise bereichert und mir neue Zugänge zu meinen Patient*innen ermöglicht.
Das Webinar findet am 26. November von 18:30 – 20:00 online statt. Der Link zum Webinar wird den angemeldeten Teilnehmenden per E-Mail zugesandt.
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Quellen:
[1] OECD (2023): Health at a Glance 2023: OECD Indicators. OECD Publishing, Paris. Österreich lag mit 11,1 Litern reinem Alkohol pro Kopf deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 8,6 Litern.
[2] Bachmayer, S., Stritzek, J., Uhl, A. (2025): Handbuch Alkohol – Österreich. Band 1: Statistiken und Berechnungsgrundlagen. Datenjahr 2024. Gesundheit Österreich GmbH, Wien.
[3] Gschwandtner, F., Lehner, R., Paulik, R., Schmidbauer, R. & Seyer, S. (2019). Factsheet Sucht. Überblick über statistische Kennzahlen zur Abhängigkeit, zum Konsum von psychoaktiven Substanzen und zu Verhaltenssüchten in Oberösterreich und Österreich, Institut Suchtprävention.
[4] Medizinische Universität Wien (2018): Ärzte gegen das Rauchen: Sechs Millionen Tote jährlich durch das Rauchen, 14.000 in Österreich. MedUni Wien News, 20.03.2018. Verfügbar unter: https://www.meduniwien.ac.at/web/en/about-us/news/detailsite/2018/news-im-maerz-2018/doctors-against-smoking-six-million-deaths-a-year-from-smoking-14000-in-austria/ (Zugriff: 18.08.2026).
[5] Stritzek, J., Busch, M., Puhm, A. & Schwarz, T. (2023). Repräsentativerhebung zu Konsum- und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial: Auswertungen der dritten Erhebungswelle. Gesundheit Österreich GmbH, Wien
[6] Moyer, A., Finney, J.W., Swearingen, C.E., Vergun, P.: Brief interventions for alcohol problems: A meta-analytic review of controlled investigations in treatment-seeking and non-treatmentseeking populations. Addiction 2002; 97: 279–92 CrossRef MEDLINE.
[7] Balint, E., Norell, J.S. (1975): Fünf Minuten pro Patient. Eine Studie über die Interaktionen in der ärztlichen Allgemeinpraxis, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.
[8] Miller, W.R., Rollnick, S. (2025): Motivierende Gesprächsführung. Motivational Interviewing: 4. Aufl. des Standardwerks in Deutsch. Lambertus, Freiburg.
weiterführende Literatur:
Kaner, E. F., Beyer, F. R., Muirhead, C., Campbell, F., Pienaar, E. D., Bertholet, N., Daeppen, J.-B., Saunders, J. B. & Burnand, B.: Effectiveness of brief alcohol interventions in primary care populations. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018; 2(2): CD004148. doi:10.1002/14651858.CD004148.pub4.
Österreichische Arbeitsgemeinschaft Suchtvorbeugung (Hrsg.) 2. Aufl. (2025): Switch – Leitfaden zur ärztlichen Kurzintervention bei problematischem Alkohol- oder Nikotinkonsum, Wien.
Seyer, S., Paulik, R., Lehner, R., Gschwandtner, F., Reiter, A., Unger, S. (2020): Drogenmonitoring Oberösterreich. Ergebnisbericht mit dem Forschungsschwerpunkt Cannabiskonsum. Institut Suchtprävention (Hrsg.), Linz.
Stritzek, J., Busch, M., Puhm, A., Schwarz, T. (2023): Repräsentativerhebung zu Konsum- und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial: Auswertung der dritten Erhebungswelle. Gesundheit Österreich, Wien.
Stritzek, J., Gaiswinkler, S., Nowotny, M., Puhm, A., Uhl, A. (2025): Handbuch Alkohol – Österreich. Band 3: Ausgewählte Themen. Gesundheit Österreich, Wien.
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