Vorsorgeuntersuchung einer Ärztin. Sie misst den Blutdruck einer Patientin und bearbeitet den Fragebogen für die Vorsorgeuntersuchung. - designed by Freepik - Magnific.com

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Patient*innen mit Switch zu gesundheitsbewussten Veränderungen begleiten: 3 bis 5 Minuten mit großer Wirkung!

Alkohol und Nikotin – ein Blick auf die Zahlen

Alkohol ist in unserer Gesellschaft tief verankert. Diese Substanz ist allgegenwärtig, und für viele Menschen scheint ein Alltag ohne Alkohol kaum vorstellbar. Österreich zählt daher seit Jahren zu den OECD-Ländern mit einem überdurchschnittlich hohen Alkoholkonsum.[1] Laut Bachmayer, Stritzek und Uhl (2025) sind ca. 378.000 Personen bzw. 5 % der Bevölkerung ab 15 Jahren alkoholkrank. Weitere 10 % weisen einen problematischen Alkoholkonsum auf. Man kann also sagen, dass etwa 15 % der Bevölkerung ab 15 Jahren Alkohol in einem gesundheitsschädigenden Ausmaß konsumieren.[2] Schätzungen zufolge sind in Österreich jährlich ca. 8000 Todesfälle direkt oder indirekt auf den Konsum von Alkohol zurückzuführen. Beim Nikotinkonsum zeigen sich ähnliche besorgniserregende Zahlen: Erhebungen zufolge rauchen 21 % der österreichischen Bevölkerung täglich oder nahezu täglich. Gschwandtner et al. (2019) schätzen die Zahl der nikotinabhängigen Menschen in Österreich auf rund 1,2 Millionen.[3] An den Folgen des Rauchens sterben jährlich, so die Einschätzung des Gesundheitsministeriums, ungefähr 14.000 Personen.[4] Diese Zahlen verdeutlichen die hohe Bedeutung von problematischem bzw. abhängigem Alkohol- und Nikotinkonsum für die Betroffenen selbst, ihr soziales Umfeld und die Gesellschaft insgesamt.

Konsumproblematik ansprechen zeigt Wirkung – Switch liefert den Leitfaden

Nur wenige Personen mit problematischem Alkohol- oder Nikotinkonsum finden frühzeitig den Weg in spezialisierte suchttherapeutische Einrichtungen. Hausärztliche und fachärztliche Ordinationen werden von dieser Personengruppe hingegen regelmäßig aufgesucht, meist aufgrund von Beschwerden, die in keinem unmittelbaren Zusammenhang mit dem gesundheitlich problematischen Konsumverhalten stehen. Die Konsumproblematik wird dabei nur selten von den Patient*innen selbst zur Sprache gebracht. Trotzdem besteht bei vielen eine relevante Veränderungsbereitschaft: So denkt beispielsweise mehr als die Hälfte der Raucher*innen darüber nach, mit dem Rauchen aufzuhören bzw. die Konsummenge zu reduzieren[5]. Wissenschaftliche Studien belegen zudem, dass deutliche Veränderungen der Konsummuster möglich sind, wenn Ärztinnen und Ärzte diese Themen frühzeitig aufgreifen und gezielte Interventionen setzen.[6]. Gerade in frühen Phasen problematischer Konsumentwicklungen kann die intrinsische Motivation zur Veränderung mit geringem Zeitaufwand wirksam gefördert werden.

Switch – Leitfaden und Methode

Seit Enid Balint und J.S. Norell 1975 in ihrem Werk „Fünf Minuten pro Patient“ die Bedeutung kurzer, zielgerichteter Gespräche in der ärztlichen Praxis hervorhoben, haben sich Kurzinterventionen zu einem wichtigen Bestandteil ärztlichen Handelns entwickelt[7]. Das Kurzinterventionskonzept Switch wurde basierend auf den Grundsätzen, Erkenntnissen und Methoden der Motivierenden Gesprächsführung (Motivational Interviewing, MI) nach Miller und Rollnick entwickelt.[8] Es lässt sich unkompliziert in den eigenen Gesprächsstil integrieren und eignet sich besonders für Kurzkontakte im Klinik- und Praxisalltag sowie im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen.

Die achtstündige Fortbildung der Fachstelle für Prävention NÖ vermittelt ein kompaktes Instrumentarium an Methoden der Frühdiagnostik sowie einen Interventionsleitfaden für das ärztliche Gespräch.

Bereits kurze Gesprächssequenzen können mit Switch wirksam sein und dazu beitragen, psychische wie physische Folgeschäden von problematischem Alkohol- oder Nikotinkonsum zu reduzieren. Mit Switch erweitern Ärztinnen und Ärzte ihre Kompetenzen in der Gesprächsführung. Die vermittelten Methoden können zudem auch bei anderen sensiblen, gesundheitsrelevanten Themen angewendet werden.

Dr.in Elisabeth Ottel-Gattringer berichtet über ihre Erfahrungen mit Motivierender Gesprächsführung und Kurzinterventionstechniken

Ich habe mehr als 25 Jahre in unterschiedlichen Einrichtungen der Suchthilfe als Ärztin und Psychotherapeutin gearbeitet. 2006 lernte ich die Motivierende Gesprächsführung kennen und habe sie in meine Arbeit integriert.
Sehr bald erlebte ich die positiven Effekte einfacher Maßnahmen, wie z.B. das Betonen der Autonomie, auf den Gesprächsverlauf. Insbesondere dann, wenn sich das Gegenüber gerade nicht mit den problematischen Konsummustern und ihren Folgen auseinandersetzen möchte und dazu neigt, ein Ansprechen als Grenzüberschreitung und Einschränkung der persönlichen Freiheit wahrzunehmen.

Auf den SatzDas lasse ich mir nicht auch noch von Ihnen verbieten“, „da bleibt mir ja gar kein Vergnügen mehr“ beispielsweise zu antworten mit „Ja, Sie haben Recht – ich kann Ihnen gar nichts verbieten – nur Sie selbst entscheiden, worauf Sie eventuell verzichten wollen.“ oder „Sie haben Recht – nur Sie selbst entscheiden, ob und was Sie verändern wollen.“ hat häufig erst ein konstruktives Gespräch mit aktiver Beteiligung des Gegenübers ermöglicht.

Oft habe ich auch erlebt, wie verwundert Menschen sind, wenn sie nach den persönlichen Vorteilen gefragt werden, die ihr Konsum mit sich bringt. Die detaillierte Beschäftigung mit den Vor- und Nachteilen des Konsumverhaltens wird in der Motivierenden Gesprächsführung jedoch als sehr wichtig angesehen – besonders bei Patient*innen, die einer Veränderung noch sehr ambivalent gegenüberstehen.

Ambivalenz wird als natürliches Phänomen im Verlauf eines Veränderungsprozesses verstanden, als Zeichen dafür, dass jemand bereits beginnt, sich mit der oftmals unvorstellbar erscheinenden, schmerzhaften, aber zunehmend als notwendig empfundenen Veränderung auseinanderzusetzen.

Ein gutes Gespräch nach den Kriterien der Motivierenden Gesprächsführung gleicht einem gemeinsamen Tanz auf Augenhöhe. Das gemeinsame Beleuchten und Ausloten der Möglichkeiten stehen im Vordergrund.

Ohne erhobenen Zeigefinger, ohne metaphorische Brechstange oder verhörartige Fragen ermöglicht das Kurzinterventionskonzept, die intrinsische Motivation der Patient*innen zu gesundheitsbewussten Veränderungen zu erhöhen.

Haltung, Prinzipien und Methoden der Motivierenden Gesprächsführung zu integrieren, hat meine Arbeitsweise auf vielfältige Weise bereichert und mir neue Zugänge zu meinen Patient*innen ermöglicht.

Webinar der Ärztinnen- und Ärztekammer für Niederösterreich:
Ärztliche Kurzintervention bei problematischem Alkohol- und Nikotinkonsum

In diesem Webinar erhalten Sie einen kompakten Überblick über die Inhalte von SWITCH, einem Leitfaden zur ärztlichen Kurzintervention. Lernen Sie zentrale Elemente der motivierenden Gesprächsführung, praxistaugliche Screening-Instrumente und konkrete Interventionstechniken kennen. Das Webinar bietet einen idealen Einstieg in das Thema.

Das Webinar findet am 26. November von 18:30 – 20:00 online statt. Der Link zum Webinar wird den angemeldeten Teilnehmenden per E-Mail zugesandt.

2 DFP-Punkte anrechenbar

Hier finden Sie weitere Informationen und können sich direkt anmelden.

Fortbildung:
Ärztliche Kurzintervention bei problematischem Alkohol- und Nikotinkonsum

Das Kurzinterventionskonzept SWITCH unterstützt Ärzt*innen:
  • den Alkohol- bzw. Nikotinkonsum ihrer Patient*innen anzusprechen
  • diese zu sensibilisieren, dadurch gesundheitsbewusste Veränderungen zu initiieren
  • spezifische Informationen weiterzugeben, um den Wissensstand der Patient*innen zu erhöhen
  • das Thema beim nächsten Kontakt gezielt wieder aufgreifen zu können

9 DFP-Punkte anrechenbar.

Hier finden Sie weitere Informationen und können sich direkt anmelden.

Quellen:

[1] OECD (2023): Health at a Glance 2023: OECD Indicators. OECD Publishing, Paris. Österreich lag mit 11,1 Litern reinem Alkohol pro Kopf deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 8,6 Litern.

[2] Bachmayer, S., Stritzek, J., Uhl, A. (2025): Handbuch Alkohol – Österreich. Band 1: Statistiken und Berechnungsgrundlagen. Datenjahr 2024. Gesundheit Österreich GmbH, Wien.

[3] Gschwandtner, F., Lehner, R., Paulik, R., Schmidbauer, R. & Seyer, S. (2019). Factsheet Sucht. Überblick über statistische Kennzahlen zur Abhängigkeit, zum Konsum von psychoaktiven Substanzen und zu Verhaltenssüchten in Oberösterreich und Österreich, Institut Suchtprävention.

[4] Medizinische Universität Wien (2018): Ärzte gegen das Rauchen: Sechs Millionen Tote jährlich durch das Rauchen, 14.000 in Österreich. MedUni Wien News, 20.03.2018. Verfügbar unter: https://www.meduniwien.ac.at/web/en/about-us/news/detailsite/2018/news-im-maerz-2018/doctors-against-smoking-six-million-deaths-a-year-from-smoking-14000-in-austria/ (Zugriff: 18.08.2026).

[5] Stritzek, J., Busch, M., Puhm, A. & Schwarz, T. (2023). Repräsentativerhebung zu Konsum- und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial: Auswertungen der dritten Erhebungswelle. Gesundheit Österreich GmbH, Wien

[6] Moyer, A., Finney, J.W., Swearingen, C.E., Vergun, P.: Brief interventions for alcohol problems: A meta-analytic review of controlled investigations in treatment-seeking and non-treatmentseeking populations. Addiction 2002; 97: 279–92 CrossRef MEDLINE.

[7] Balint, E., Norell, J.S. (1975): Fünf Minuten pro Patient. Eine Studie über die Interaktionen in der ärztlichen Allgemeinpraxis, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.

[8] Miller, W.R., Rollnick, S. (2025): Motivierende Gesprächsführung. Motivational Interviewing: 4. Aufl. des Standardwerks in Deutsch. Lambertus, Freiburg.

weiterführende Literatur:

Kaner, E. F., Beyer, F. R., Muirhead, C., Campbell, F., Pienaar, E. D., Bertholet, N., Daeppen, J.-B., Saunders, J. B. & Burnand, B.: Effectiveness of brief alcohol interventions in primary care populations. Cochrane Database of Systematic Reviews 2018; 2(2): CD004148. doi:10.1002/14651858.CD004148.pub4.

Österreichische Arbeitsgemeinschaft Suchtvorbeugung (Hrsg.) 2. Aufl. (2025): Switch – Leitfaden zur ärztlichen Kurzintervention bei problematischem Alkohol- oder Nikotinkonsum, Wien.

Seyer, S., Paulik, R., Lehner, R., Gschwandtner, F., Reiter, A., Unger, S. (2020): Drogenmonitoring Oberösterreich. Ergebnisbericht mit dem Forschungsschwerpunkt Cannabiskonsum. Institut Suchtprävention (Hrsg.), Linz.

Stritzek, J., Busch, M., Puhm, A., Schwarz, T. (2023): Repräsentativerhebung zu Konsum- und Verhaltensweisen mit Suchtpotenzial: Auswertung der dritten Erhebungswelle. Gesundheit Österreich, Wien.

Stritzek, J., Gaiswinkler, S., Nowotny, M., Puhm, A., Uhl, A. (2025): Handbuch Alkohol – Österreich. Band 3: Ausgewählte Themen. Gesundheit Österreich, Wien.

Fachstelle für Prävention NÖ

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