zwei Kinder laufen voller Freude zum am ersten Schultag Schulgebäude. © Generiert mit KI von Nutta - stock.adobe.com

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Prävention sexueller Gewalt im Volksschulalter

Wie Eltern und Pädagog*innen Kinder schützen können

Nicht nur der Wechsel in eine neue Schule steht gegen Ende der Volksschulzeit bevor – bei einigen Kindern beginnt gleichzeitig bereits die Pubertät. Diese Phase bringt neben körperlichen Veränderungen auch neue emotionale und soziale Herausforderungen mit sich. Manche Volksschulkinder stellen in dieser Entwicklungsphase vermehrt Fragen zur Körperentwicklung und Sexualität. Die Auseinandersetzung mit diesen Themen unterstützt Kinder dabei, ein Verständnis für ihren Körper, ihre Gefühle und ihre Beziehungen zu entwickeln und ist somit ein wichtiger Teil ihrer persönlichen Entwicklung.

Typische Fragen, die Kinder in dieser Entwicklungsphase beschäftigen, sind u.a. beispielsweise:

  • Was passiert in der Pubertät?
  • Wie entsteht ein Baby?
  • Was bedeutet Verliebtsein?
  • Wieso streiten Eltern?

Altersgerechte Antworten fördern die Entwicklung von Selbstvertrauen und Körperbewusstsein und können damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor sexueller Gewalt leisten. Erwachsenen fällt es nicht immer leicht, Fragen zu Körperentwicklung, Sexualität und Beziehungen spontan und altersentsprechend zu beantworten. Hierbei können empfehlenswerte Kinderbücher eine wertvolle Unterstützung sein. Sie bieten Erwachsenen eine Möglichkeit, um Kindern diese persönlichen Themen verständlich, behutsam und altersangemessen näherzubringen. Wenn Kinder ihre Fragen an vertraute Bezugspersonen richten können, erleben sie Sicherheit und lernen, dass sie sich Unterstützung holen dürfen. Erhalten Kinder zu Hause oder in der Schule verlässliche Antworten, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf unseriösen Internetseiten nach Informationen suchen. Im Internet können Kinder auf falsche, ungeeignete oder verunsichernde Inhalte stoßen. Vertrauensvolle Gespräche vermitteln Kindern Orientierung und stärken einen positiven Umgang mit dem eigenen Körper.

Alle Kinder haben Rechte. Dazu gehören unter anderem das Recht auf eigene Gefühle, das Recht auf Privatsphäre sowie das Recht auf Schutz vor Gewalt. Eltern und Pädagog*innen können diese Rechte kindgerecht vermitteln und Kinder dabei unterstützen, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen und die Grenzen anderer zu respektieren. Sexuelle Übergriffe können sowohl von Erwachsenen ausgehen als auch zwischen Kindern stattfinden. Wenn Kinder ihre Rechte kennen und wissen, dass ihre Grenzen respektiert werden müssen, stärkt dies ihre Handlungskompetenz. Gleichzeitig liegt die Verantwortung, Kinder vor sexuellen Übergriffen zu schützen, immer bei den Erwachsenen. Kinder sollten in ihrer Individualität angenommen und wertgeschätzt werden. Es ist wichtig, problematisches Verhalten klar zu benennen und konsequent Grenzen zu setzen. Gerade bei Grenzverletzungen unter Kindern sollte deutlich werden, dass Wertschätzung für das Kind und eine klare Ablehnung des übergriffigen Verhaltens gleichzeitig möglich sind. Grenzverletzungen dürfen nicht bagatellisiert werden. Eine frühzeitige, angemessene und pädagogisch fundierte Reaktion trägt dazu bei, weitere Grenzüberschreitungen zu verhindern und allen beteiligten Kindern Schutz zu bieten.

Kinder lernen soziale Kompetenzen und das Respektieren von Grenzen vor allem durch Vorbilder, klare Regeln, Gespräche und Erfahrungen im Alltag. Erwachsene können Kinder stärken, indem sie ihnen mit Empathie begegnen und ihre Sichtweise ernstnehmen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Kinder ihre Grenzen häufig nicht mit Worten wie „Stopp“ oder „Ich möchte das nicht“ ausdrücken können. Vielmehr zeigen sie ihr Unwohlsein oft nonverbal – etwa indem sie sich abwenden, zurückweichen, erstarren, schreien oder weinen. Solche Signale sollten von Erwachsenen aufmerksam wahr- und ernstgenommen werden. Ebenso wichtig ist es, Kindern die Sprache zu vermitteln, mit der sie Erlebtes, Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken können. Bilderbücher und Geschichten bieten hierfür zahlreiche Anknüpfungspunkte. Im gemeinsamen Gespräch können beispielsweise Fragen gestellt werden wie: „Wie hat sich die Hauptfigur gefühlt? Warum hat sie sich so gefühlt? Was hätte ihr geholfen?“

Ein offener, altersgerechter Umgang mit den Themen Körper, Gefühle und Beziehungen hilft dabei, Hemmschwellen abzubauen und Kindern den Raum zu geben, auch über belastende Erfahrungen zu sprechen. Kinder erleben dadurch, dass ihre Fragen und Gefühle ernstgenommen werden und dass sie sich bei Sorgen oder schwierigen Erlebnissen vertrauensvoll an Erwachsene wenden können. Sie erfahren, dass es jederzeit in Ordnung ist, sich Unterstützung zu holen, wenn sie sich unsicher, unwohl oder bedroht fühlen. Auf diese Weise werden Kinder darin gestärkt, Hilfe zu suchen und darauf zu vertrauen, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein bleiben.

Was können Eltern tun?

  • Kinder beim Benennen des eigenen Körpers unterstützen:
    Schon von klein auf können Eltern ihre Kinder dabei begleiten, Körperteile korrekt zu benennen. Das gemeinsame Lesen von altersgerechten Kinderbüchern kann helfen, biologische Zusammenhänge verständlich zu vermitteln und eine offene Gesprächskultur zu fördern.
  • Konflikte wertschätzend lösen und als Vorbild wirken:
    Eltern sind wichtige Vorbilder im Umgang mit Meinungsverschiedenheiten. In der Familie sollte jedes Mitglied die Möglichkeit haben, die eigene Sichtweise zu äußern und gehört zu werden. Gemeinsam mit den Kindern nach Lösungen zu suchen, stärkt die Fähigkeit der Kinder, Konflikte konstruktiv zu bewältigen.
  • Über Gefühle sprechen:
    Indem Erwachsene Gefühle im Alltag ansprechen, helfen sie Kindern, ein besseres Verständnis für die eigenen Emotionen und die Gefühle anderer zu entwickeln. Fragen wie „Wie fühlst du dich gerade?“ oder „Was macht dich traurig oder glücklich?“ unterstützen Kinder dabei, ihre Gefühle einzuordnen und Worte dafür zu finden.
  • Die Privatsphäre von Kindern achten:
    Kinder haben ein Recht auf persönliche Grenzen und Privatsphäre. Erwachsene können dies im Alltag vorleben, indem sie zum Beispiel anklopfen, bevor sie ein Kinderzimmer betreten, oder die Entscheidung des Kindes respektieren, ob es Nähe oder Abstand möchte.
  • Kinderfotos nur mit Bedacht auf Social Media veröffentlichen:
    Intime, peinliche oder zu persönliche Bilder und Informationen wie Name, Schule oder Wohnort sollten nicht geteilt werden. Eltern sollten sich vor jedem Posting fragen: „Würde mein Kind wollen, dass dieses Bild in einigen Jahren noch im Internet zu finden ist?“ Wenn die Antwort unsicher ist, ist es besser, das Foto nicht zu veröffentlichen. Außerdem sollten Eltern die Privatsphäre-Einstellungen nutzen. Großeltern, Freund*innen oder andere Angehörige sollten vorher wissen, dass Kinderfotos nicht einfach weitergepostet oder weitergeleitet werden dürfen.

Was können Pädagog*innen tun?

  • Körper, Gefühle und Beziehungen altersgerecht thematisieren:
    Laut Lehrplan können unter anderem Themen wie Körperentwicklung, die Entstehung einer Schwangerschaft und die Geburt eines Babys altersentsprechend im Unterricht behandelt werden. Sexualpädagogik kann als übergreifendes Thema im Schulalltag und in den Fächern Deutsch, Englisch, Musik, Kunst und Gestaltung, Sachunterricht, Bewegung und Sport behandelt werden. Der Unterricht bietet die Möglichkeit, Kinder darin zu fördern, ihre eigenen Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse wahrzunehmen. Menstruation kann normalisiert werden, indem beispielsweise Hygieneartikel und Mistkübel auf den Toiletten bereitgestellt werden.
  • Reflexive Geschlechterpädagogik und Gleichstellung:
    Im Unterricht sollen Geschlechterrollen, Vorurteile und Rollenklischees kritisch hinterfragt und ein gleichberechtigter Umgang mit allen Kindern gefördert werden. Dabei wird die Vielfalt von Körpern und Familienmodellen wertgeschätzt und respektiert. Die Schüler*innen sollen ihre Interessen und Fähigkeiten frei von geschlechtsspezifischen Erwartungen entfalten können.
  • Kindern vermitteln – Hilfe holen ist kein Petzen:
    Kinder sollen wissen, dass es richtig und wichtig ist, sich Unterstützung zu holen, wenn sie sich unwohl fühlen, eine Situation als ungerecht erleben oder allein nicht weiterwissen. Hilfe zu suchen ist ein Zeichen von Stärke und kein „Petzen“.
  • Nach Konflikten – Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen besprechen:
    Nach einem Streit kann es hilfreich sein, wenn Kinder zunächst getrennt voneinander ihre Sichtweise, Gefühle und Bedürfnisse schildern können. Gemeinsam können anschließend alternative Handlungsmöglichkeiten entwickelt werden. Wenn ein Kind beispielsweise nicht umarmt werden möchte, lernen andere Kinder, diese Grenze zu respektieren und vorher zu fragen: „Ist das für dich in Ordnung?“

Unser Angebot „Abenteuer ICH“ vermittelt Volksschulkindern ab 9 Jahren altersgerechtes Wissen über Körper, Pubertät, Gefühle, Beziehungen und Geschlecht – und stärkt sie darin, Grenzen zu setzen und Hilfe zu holen. Neben den Kindern werden auch Fachkräfte geschult und Eltern durch einen Infoabend eingebunden, um Prävention nachhaltig zu fördern. Ein wirksamer Schutz vor sexualisierter Gewalt gelingt nur, wenn Erwachsene aufmerksam sind und Verantwortung übernehmen. Eine vertrauensvolle Umgebung, in der Kinder ernstgenommen werden und über ihre Erlebnisse sprechen können, ist eine wichtige Grundlage für ihren Schutz und ihre gesunde Entwicklung.

Trotz umfassender Präventionsmaßnahmen lässt sich sexualisierte Gewalt leider nicht in allen Fällen verhindern. Wenn es zu einem Vorfall kommt, ist es wichtig zu wissen, wo Unterstützung gefunden werden kann. Die österreichischen Kinderschutzzentren bieten kostenlose und professionelle Beratung an:

Alle Zentren – Kinderschutzzentren

Fachstelle für Prävention NÖ

Linzer Straße 17/1
A-3100 St. Pölten

+43/2742/31 440

office@fachstelle.at