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Nicht nur der Wechsel in eine neue Schule steht gegen Ende der Volksschulzeit bevor – bei einigen Kindern beginnt gleichzeitig bereits die Pubertät. Diese Phase bringt neben körperlichen Veränderungen auch neue emotionale und soziale Herausforderungen mit sich. Manche Volksschulkinder stellen in dieser Entwicklungsphase vermehrt Fragen zur Körperentwicklung und Sexualität. Die Auseinandersetzung mit diesen Themen unterstützt Kinder dabei, ein Verständnis für ihren Körper, ihre Gefühle und ihre Beziehungen zu entwickeln und ist somit ein wichtiger Teil ihrer persönlichen Entwicklung.
Typische Fragen, die Kinder in dieser Entwicklungsphase beschäftigen, sind u.a. beispielsweise:
Altersgerechte Antworten fördern die Entwicklung von Selbstvertrauen und Körperbewusstsein und können damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz vor sexueller Gewalt leisten. Erwachsenen fällt es nicht immer leicht, Fragen zu Körperentwicklung, Sexualität und Beziehungen spontan und altersentsprechend zu beantworten. Hierbei können empfehlenswerte Kinderbücher eine wertvolle Unterstützung sein. Sie bieten Erwachsenen eine Möglichkeit, um Kindern diese persönlichen Themen verständlich, behutsam und altersangemessen näherzubringen. Wenn Kinder ihre Fragen an vertraute Bezugspersonen richten können, erleben sie Sicherheit und lernen, dass sie sich Unterstützung holen dürfen. Erhalten Kinder zu Hause oder in der Schule verlässliche Antworten, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf unseriösen Internetseiten nach Informationen suchen. Im Internet können Kinder auf falsche, ungeeignete oder verunsichernde Inhalte stoßen. Vertrauensvolle Gespräche vermitteln Kindern Orientierung und stärken einen positiven Umgang mit dem eigenen Körper.
Alle Kinder haben Rechte. Dazu gehören unter anderem das Recht auf eigene Gefühle, das Recht auf Privatsphäre sowie das Recht auf Schutz vor Gewalt. Eltern und Pädagog*innen können diese Rechte kindgerecht vermitteln und Kinder dabei unterstützen, ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen und die Grenzen anderer zu respektieren. Sexuelle Übergriffe können sowohl von Erwachsenen ausgehen als auch zwischen Kindern stattfinden. Wenn Kinder ihre Rechte kennen und wissen, dass ihre Grenzen respektiert werden müssen, stärkt dies ihre Handlungskompetenz. Gleichzeitig liegt die Verantwortung, Kinder vor sexuellen Übergriffen zu schützen, immer bei den Erwachsenen. Kinder sollten in ihrer Individualität angenommen und wertgeschätzt werden. Es ist wichtig, problematisches Verhalten klar zu benennen und konsequent Grenzen zu setzen. Gerade bei Grenzverletzungen unter Kindern sollte deutlich werden, dass Wertschätzung für das Kind und eine klare Ablehnung des übergriffigen Verhaltens gleichzeitig möglich sind. Grenzverletzungen dürfen nicht bagatellisiert werden. Eine frühzeitige, angemessene und pädagogisch fundierte Reaktion trägt dazu bei, weitere Grenzüberschreitungen zu verhindern und allen beteiligten Kindern Schutz zu bieten.
Kinder lernen soziale Kompetenzen und das Respektieren von Grenzen vor allem durch Vorbilder, klare Regeln, Gespräche und Erfahrungen im Alltag. Erwachsene können Kinder stärken, indem sie ihnen mit Empathie begegnen und ihre Sichtweise ernstnehmen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass Kinder ihre Grenzen häufig nicht mit Worten wie „Stopp“ oder „Ich möchte das nicht“ ausdrücken können. Vielmehr zeigen sie ihr Unwohlsein oft nonverbal – etwa indem sie sich abwenden, zurückweichen, erstarren, schreien oder weinen. Solche Signale sollten von Erwachsenen aufmerksam wahr- und ernstgenommen werden. Ebenso wichtig ist es, Kindern die Sprache zu vermitteln, mit der sie Erlebtes, Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken können. Bilderbücher und Geschichten bieten hierfür zahlreiche Anknüpfungspunkte. Im gemeinsamen Gespräch können beispielsweise Fragen gestellt werden wie: „Wie hat sich die Hauptfigur gefühlt? Warum hat sie sich so gefühlt? Was hätte ihr geholfen?“
Ein offener, altersgerechter Umgang mit den Themen Körper, Gefühle und Beziehungen hilft dabei, Hemmschwellen abzubauen und Kindern den Raum zu geben, auch über belastende Erfahrungen zu sprechen. Kinder erleben dadurch, dass ihre Fragen und Gefühle ernstgenommen werden und dass sie sich bei Sorgen oder schwierigen Erlebnissen vertrauensvoll an Erwachsene wenden können. Sie erfahren, dass es jederzeit in Ordnung ist, sich Unterstützung zu holen, wenn sie sich unsicher, unwohl oder bedroht fühlen. Auf diese Weise werden Kinder darin gestärkt, Hilfe zu suchen und darauf zu vertrauen, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein bleiben.
Unser Angebot „Abenteuer ICH“ vermittelt Volksschulkindern ab 9 Jahren altersgerechtes Wissen über Körper, Pubertät, Gefühle, Beziehungen und Geschlecht – und stärkt sie darin, Grenzen zu setzen und Hilfe zu holen. Neben den Kindern werden auch Fachkräfte geschult und Eltern durch einen Infoabend eingebunden, um Prävention nachhaltig zu fördern. Ein wirksamer Schutz vor sexualisierter Gewalt gelingt nur, wenn Erwachsene aufmerksam sind und Verantwortung übernehmen. Eine vertrauensvolle Umgebung, in der Kinder ernstgenommen werden und über ihre Erlebnisse sprechen können, ist eine wichtige Grundlage für ihren Schutz und ihre gesunde Entwicklung.
Trotz umfassender Präventionsmaßnahmen lässt sich sexualisierte Gewalt leider nicht in allen Fällen verhindern. Wenn es zu einem Vorfall kommt, ist es wichtig zu wissen, wo Unterstützung gefunden werden kann. Die österreichischen Kinderschutzzentren bieten kostenlose und professionelle Beratung an:
Enders, U. (Hrsg.). (2022). Grenzen achten. Schutz vor sexuellem Missbrauch in Institutionen. Ein Handbuch für die Praxis. Kiepenheuer & Witsch.
(K)ein sicherer Ort – Kindeswohlgefährdung erkennen und helfen. Herausgeber: Bundeskanzleramt Sektion VI – Familie und Jugend, Abteilung VI/2 – Kinder- und Jugendhilfe
HANDLUNG, SPIEL & RÄUME. Leitfaden für Pädagoginnen und Pädagogen zum präventiven Handeln gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen mit neuen Präventionsmaterialien. Erstellt vom Verein SELBSTLAUT
im Auftrag des BMUKK
Sexuelle Gewalt. Leitfaden für Pädagoginnen und Pädagogen – Rechtliche Situation. Herausgeber: Bundesministerium für Bildung und Frauen
Gewaltprävention an Schulen. Persönlichkeitsbildung und soziales Lernen. Herausgeber
Österreichisches Zentrum für Persönlichkeitsbildung und soziales Lernen
in Kooperation mit der Uni Wien
SPIEL, LUST & REGELN. Praktische Bausteine für Pädagoginnen und Pädagogen zum kompetenten Handeln gegen sexuelle Übergriffe in der Klasse. Herausgeber: Verein Selbstlaut
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