Nahaufnahme von einem Paar, das gemeinsam Kaffee genießt - Bild von Magnific

Artikel ist älter als ein Jahr!

1.10. ist Welttag des Kaffees

Genuss mit Maß aus Sicht der Suchtprävention

Für viele Menschen beginnt der Tag mit dem Duft von frisch gemahlenem Kaffee. Ob zur morgendlichen Aktivierung, als kurze Auszeit im Arbeitsalltag oder beim Treffen mit Kolleg*innen, Freund*innen und Familie: Kaffee gehört für Millionen Menschen zu den beliebtesten Getränken weltweit. Weniger bekannt ist jedoch, dass mit Kaffee eine psychoaktive Substanz konsumiert wird: Koffein. Dieser beeinflusst das zentrale Nervensystem und kann verschiedene körperliche und psychische Effekte auslösen. Anlässlich des Welttags des Kaffees am 1. Oktober lohnt sich daher ein Blick auf den wichtigsten Inhaltsstoff im Kaffee. Vielen Menschen ist im Alltag oft nicht bewusst, dass ihr Kaffee eine Substanz enthält, die direkt auf Gehirn und Nervensystem wirkt. Aus Sicht der Suchtprävention geht es dabei um einen bewussten und maßvollen Umgang mit dem beliebten Getränk.

Koffein: Wachmacher mit Wirkung

Koffein ist die weltweit am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz. Es wirkt anregend auf das zentrale Nervensystem und kann Müdigkeit verringern, die Aufmerksamkeit steigern und die Konzentrationsfähigkeit vorübergehend verbessern. Viele Menschen schätzen neben dem Geschmack genau diese Eigenschaften. [1] Eine Tasse Filterkaffee enthält durchschnittlich ca. 95 Milligramm Koffein. Eine Tasse Espresso enthält zwar weniger Koffein, nämlich 60 bis 70 Milligramm pro Portion, wird aber aufgrund des konzentrierteren Geschmacks als stärker wahrgenommen. Häufig werden auch Energy Drinks für ihren Koffeingehalt konsumiert, dieser beläuft sich bei 250ml auf ca. 80mg Koffein. Wie stark die Wirkung wahrgenommen wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Wesentlich ist die konsumierte Menge, die individuelle Empfindlichkeit und die eigene Gewöhnung an Koffein.[2]

Kaffee und Gesundheit: Was sagt die Forschung?

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Kaffee und Koffein werden seit Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht. Dabei zeigen viele Studien, dass moderater Kaffeekonsum bei den meisten gesunden Erwachsenen mit verschiedenen positiven Gesundheitsindikatoren verbunden ist. Allerdings handelt es sich dabei häufig um beobachtende Studien, die Zusammenhänge aufzeigen, ohne eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehungen nachweisen zu können. Neuere Übersichtsarbeiten zeichnen daher insgesamt ein positives, gleichzeitig aber differenziertes Bild. [3] Diese Studien weisen unter anderem auf Zusammenhänge zwischen moderatem Kaffeekonsum und
  • einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes,
  • einer niedrigeren Wahrscheinlichkeit bestimmter Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • einem reduzierten Risiko für Parkinson-Erkrankungen,
  • sowie einem geringeren Risiko für einige Krebsarten hin.[4]
Darüber hinaus zeigen Forschungsarbeiten, dass drei bis fünf Tassen Kaffee täglich mit einer geringeren Gesamtsterblichkeit und einem niedrigeren Risiko verschiedener chronischer Erkrankungen verbunden sein können.[5] Verantwortlich dafür ist vermutlich nicht allein das im Kaffee befindliche Koffein. Kaffee enthält zahlreiche weitere Inhaltsstoffe wie Antioxidantien und Polyphenole, die positive Effekte auf den Stoffwechsel und Entzündungsprozesse haben können. [5] Was oft vergessen wird, Koffein wirkt als Substanz psychoaktiv und ist nicht für alle Menschen gleich verträglich. Höhere Konsummengen können unter anderem Nervosität, innere Unruhe, Herzklopfen, Schlafstörungen oder Angstgefühle begünstigen. Besonders empfindliche Personen reagieren bereits auf vergleichsweise geringe Mengen Koffein. Eine unterschätzte Zielgruppe im Zusammenhang mit koffeinhaltigen Produkten sind Schwangere und Stillende. Koffein passiert die Plazenta und erreicht das ungeborene Kind. Da dessen Stoffwechsel noch nicht vollständig entwickelt ist, wird Koffein deutlich langsamer abgebaut als bei Erwachsenen. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen höherem Koffeinkonsum in der Schwangerschaft und einem geringeren Geburtsgewicht sowie weiteren ungünstigen Schwangerschaftsverläufen. Die wissenschaftliche Evidenz ist allerdings nicht in allen Bereichen eindeutig, weshalb Vorsichtsempfehlungen für Schwangere gelten. [3] Auch während der Stillzeit gelangt Koffein in die Muttermilch. Säuglinge bauen Koffein deutlich langsamer ab als Erwachsene, weshalb ein hoher Koffeinkonsum der Mutter bei empfindlichen Kindern zu Unruhe oder Schlafproblemen beitragen kann. Daher wird auch in der Stillzeit ein maßvoller Konsum empfohlen. [6] Neben Schwangeren und Stillenden verdienen auch Kinder und Jugendliche besondere Beachtung. Während die gesundheitlichen Auswirkungen eines moderaten Kaffeekonsums bei Erwachsenen vergleichsweise gut untersucht sind, liegen für jüngere Altersgruppen deutlich weniger belastbare Daten vor. In der Praxis spielt Kaffee bei Jugendlichen oft eine geringere Rolle als andere koffeinhaltige Getränke. Insbesondere Energy Drinks erfreuen sich in diesem Alter großer Beliebtheit. Durch ihren hohen Koffeingehalt, den süßen Geschmack und die gezielte Vermarktung an junge Zielgruppen können sie zu einer deutlich höheren Koffeinaufnahme führen als klassische Kaffeegetränke. Nervosität, Kopfschmerzen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sind nur einige der vielen Effekte von erhöhtem Koffeinkonsum. Da Schlaf eine zentrale Voraussetzung für die körperliche, emotionale und kognitive Entwicklung ist, können regelmäßige Schlafdefizite die Gesundheit und das Wohlbefinden zusätzlich beeinträchtigen. [7] Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt für Kinder und Jugendliche, die tägliche Koffeinaufnahme auf maximal 3 mg pro Kilogramm Körpergewicht zu begrenzen. Diese Menge kann je nach Körpergewicht bereits durch wenige koffeinhaltige Getränke erreicht oder überschritten werden. [8] Aus Sicht der Suchtprävention zeigt sich damit ein differenziertes Bild: Kaffee kann für viele Erwachsene Teil eines gesunden Lebensstils sein. Gleichzeitig sollte nicht vergessen werden, dass mit Koffein eine psychoaktive Substanz konsumiert wird, deren Wirkungen und mögliche Risiken von individuellen Faktoren, der konsumierten Menge und der jeweiligen Lebenssituation abhängen. Die Förderung eines bewussten Umgangs mit Koffein sowie die Stärkung von Gesundheitskompetenz und Selbstfürsorge stellen wichtige Bausteine der Präventionsarbeit mit Kindern und Jugendlichen dar.

Was bedeutet „maßvoller Konsum“?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet eine tägliche Einnahme von bis zu 400 Milligramm Koffein für gesunde Erwachsene als unbedenklich. Dies entspricht ungefähr vier bis fünf Tassen Kaffee pro Tag. [8] Für Schwangere wird eine maximale Aufnahme von 200 Milligramm Koffein täglich empfohlen. [9] Viele Jugendliche nehmen bereits regelmäßig Koffein zu sich. Deshalb sollte nicht nur Kaffeekonsum, sondern die gesamte Aufnahme aus allen koffeinhaltigen Produkten berücksichtigt werden.[8] Relevante Mengen an Koffein finden sich beispielsweise in Kaffee, Tee, Cola, Eistee, Schokolade und speziell in Energy Drinks. [10]

Die Perspektive der Suchtprävention

Koffein ist eine psychoaktive Substanz. Ob und in welchem Ausmaß regelmäßiger Konsum zu einer Abhängigkeit führen kann, wird wissenschaftlich diskutiert. Gleichzeitig gilt moderater Kaffeekonsum nicht als Suchterkrankung im klassischen Sinn. Wird die Koffeinzufuhr nach längerer Zeit plötzlich unterbrochen, können vorübergehend Entzugssymptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Gereiztheit, Konzentrationsprobleme oder ein verstärktes Stressempfinden auftreten. Diese Beschwerden klingen in der Regel nach wenigen Tagen wieder ab.[5] Während der Konsum von Kaffee für die meisten Menschen nur ein geringes Risiko darstellt, ist bei hochkonzentrierten Koffeinprodukten Vorsicht geboten. Koffeinpulver oder Koffeintabletten können innerhalb kurzer Zeit sehr hohe Mengen an Koffein liefern. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass bereits kleine Dosierungsfehler zu gesundheitlichen Problemen führen können. Besonders im Spitzen- und Freizeitsport werden diese Produkte teilweise zur Steigerung der Leistungs- und Aufmerksamkeitsfähigkeit verwendet. [11] Aus suchtpräventiver Sicht wird Koffein vor allem dann relevant, wenn Kaffee nicht mehr aus Genuss getrunken wird, sondern dauerhaft zur Kompensation von Stress, Erschöpfung oder Schlafmangel dient. Kaffee kann Müdigkeit kurzfristig überdecken, ersetzt aber keine ausreichende Erholung und keinen gesunden Lebensstil. [5] Ein bewusster Umgang bedeutet, die eigenen Konsumgewohnheiten von koffeinhaltigen Getränken immer wieder zu hinterfragen:
  • Trinke ich Kaffee oder koffeinhaltigen Getränken aus Genuss bzw. Gewohnheit?
  • Nutze ich Kaffee regelmäßig, um Schlafmangel auszugleichen?
  • Beeinträchtigt Koffein meinen Schlaf oder führt es zu Nervosität?
  • Fällt es mir schwer, auf Kaffee zu verzichten?[4]

Genuss statt Verzicht

Der Welttag des Kaffees erinnert nicht nur an die kulturelle Bedeutung, sondern bietet auch Anlass, den eigenen Kaffeekonsum bewusst wahrzunehmen. Aus Sicht der Suchtprävention lautet die Botschaft: Kaffee darf genossen werden. Für die meisten Menschen spricht bei einem maßvollen Konsum wenig gegen die tägliche Tasse Kaffee. Wer auf die Signale des eigenen Körpers achtet und Koffein bewusst konsumiert, kann von den positiven Eigenschaften profitieren, ohne die möglichen Nachteile aus dem Blick zu verlieren. Denn wie so oft gilt auch beim Kaffee: Nicht Verzicht, sondern das richtige Maß macht den Unterschied.

Quellen:

[1] Cappelletti, S., Piacentino, D., Sani, G., & Aromatario, M. (2015). Caffeine: Cognitive and Physical Performance Enhancer or Psychoactive Drug? Curr Neuropharmacol, 13(1), 71–88. https://doi.org/10.2174/1570159X13666141210215655

[2] Preuss, A. (2019). Wie viel Koffein ist in Deinem Kaffee? Wir haben 15 Kaffee-Getränke offiziell im Labor testen lassen. Coffeeness. https://www.coffeeness.de/koffein-labor-test/

[3] Struniewicz, K. M., Ptaszek, M. M., Ziółkowska, A. M., Nitsch-Osuch, A., & Kozłowska, A. (2025). Pregnancy and Caffeine Metabolism: Updated Insights and Implications for Maternal-Fetal Health. Nutrients, 17(19). https://doi.org/10.3390/nu17193173

[4]Harvard T.H. Chan (Hrsg.). (2020b). Coffee. https://nutritionsource.hsph.harvard.edu/food-features/coffee/

[5] Harvard T.H. Chan (Hrsg.). (2020a). Caffeine. https://nutritionsource.hsph.harvard.edu/caffeine/

[6]The Royal Hospital for Women (Hrsg.). (2025, Mai). Caffeine in Pregnancy an Breastfeeding. https://www.seslhd.health.nsw.gov.au/sites/default/files/groups/Royal_Hospital_for_Women/Mothersafe/documents/Factsheets/Caffeine%20in%20Pregnancy%20and%20Breastfeeding.pdf

[7]Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg.). (2019). Excessive consumption of energy drinks increases health risk for children and adolescents. https://www.bfr.bund.de/en/press-release/excessive-consumption-of-energy-drinks-increases-health-risk-for-children-and-adolescents/

[8]EFSA. (2015). EFSA erklärt Risikobewertung Koffein. https://www.efsa.europa.eu/sites/default/files/corporate_publications/files/efsaexplainscaffeine150527de.pdf

[9]Ulrich,  D. (2020, August 27). Koffein in der Schwangerschaft: Wie viel ist zu viel? HealthNews. https://healthnewsnet.de/news-2/koffein-in-der-schwangerschaft-wie-viel-ist-zu-viel-15912/

[10]Khouja, C., Kneale, D., Brunton, G., Raine, G., Stansfield, C., Sowden, A., Sutcliffe, K., & Thomas, J. (2022). Consumption and effects of caffeinated energy drinks in young people: An overview of systematic reviews and secondary analysis of UK data to inform policy. BMJ Open, 12(2), e047746. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2020-047746

[11]Bundesinstitut für Risikobewertung (Hrsg.). (2026). Kaffee, Energy Drinks oder Koffeinpulver: Muntermacher mit gesundheitlichen Risiken? https://www.bfr.bund.de/fragen-und-antworten/thema/fragen-und-antworten-zu-koffein-und-koffeinhaltigen-lebensmitteln-einschliesslich-energy-drinks/

Fachstelle für Prävention NÖ

Linzer Straße 17/1
A-3100 St. Pölten

+43/2742/31 440

office@fachstelle.at