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Das Leben von Kindern und Jugendlichen spielt sich zu einem erheblichen Teil im Internet ab – sei es auf Social Media, beim Gaming oder im Austausch mit Freund*innen. Inhalte sind jederzeit und unbegrenzt verfügbar.
Für viele Eltern ist das eine Herausforderung. Die meisten von ihnen sind noch ohne Smartphones aufgewachsen und daher möglicherweise überfordert oder nicht ausreichend informiert, wenn es darum geht, den Bereich der digitalen Medien in der Erziehung zu berücksichtigen. Gleichzeitig gilt: So wie es im „echten Leben“ Risiken gibt, gibt es sie auch online. Kinder und Jugendliche brauchen deshalb auch im digitalen Raum Orientierung und Schutz.
In einer groß angelegten Studie wurde gezeigt, dass die Bildschirmzeit mit verschiedenen Belastungen zusammenhängt. Dazu gehören unter anderem depressive Symptome, Probleme im Sozialverhalten, körperliche Beschwerden und ADHS-Symptome[1].
Neben möglichen Auswirkungen auf das Wohlbefinden aufgrund eines übermäßigen Medienkonsums gibt es auch konkrete Risiken im Netz. Laut der JIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest[2] berichteten Jugendliche im Alter von 12-19 Jahren von zahlreichen problematischen Erfahrungen innerhalb eines Monats: 61 % kamen mit Fake News in Kontakt, 57 % sahen beleidigende Kommentare, 54 % begegneten extremen politischen Ansichten, 43 % stießen auf Verschwörungstheorien, 40 % erlebten Hate Speech und 25 % wurden ungewollt mit pornografischen Inhalten konfrontiert. Diese Zahlen zeigen: Risiken im digitalen Raum sind keine Seltenheit.
Trotzdem ist ein kompletter Verzicht auf digitale Medien weder eine realistische noch eine sinnvolle Lösung. Das Internet ist ein fester Bestandteil des Lebens junger Menschen. Viel wichtiger ist es, einen bewussten, souveränen und kritischen Umgang damit zu lernen. Gesetzliche Regulierungen können Einzelne in ihrer Verantwortung jedoch entlasten, was in Anbetracht der Macht digitaler Plattformen ein sinnvoller Beitrag zum Kinderschutz sein kann. Auf politischer Ebene gibt es derzeit Versuche, Kinder und Jugendliche vor den genannten Risiken im Netz besser zu schützen. In Österreich ist beispielsweise ein Gesetzesentwurf für den Sommer 2026 geplant, der ein Mindestalter von 14 Jahren für Social Media vorsieht[3].
Nicht nur das Ausmaß der Bildschirmzeit ist entscheidend, sondern auch, welche Rolle digitale Medien im Alltag des Kindes und im Familiengefüge einnehmen. In einer Studie von Domoff et al.[4] wurden verschiedene Warnsignale beschrieben, die auf eine problematische Nutzung hinweisen können:
Einzelne Anzeichen müssen nicht unbedingt ein Grund zur Sorge sein. Sowohl die Dauer, die Intensität und die Häufung dieser Signale tragen zu einer problematischen Nutzung bei.
Die folgenden Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin[5] bieten Eltern eine hilfreiche Orientierung. Für alle Inhalte gilt, dass die zugehörigen Altersempfehlungen grundsätzlich beachtet werden sollten. Hinsichtlich der angegebenen Nutzungszeiten sind individuelle Abweichungen möglich, insbesondere wenn es sich um kreative, edukative und entwicklungsbezogene Zwecke handelt:
Weitere hilfreiche Tipps und Informationen für Eltern zum sicheren und kompetenten Umgang mit digitalen Medien werden von saferinternet.at bereitgestellt.
Kinder lernen durch Beobachtung. Das bedeutet: Auch das Mediennutzungsverhalten der Eltern und Geschwister spielt eine große Rolle. Wer selbst häufig das Smartphone nutzt, motiviert Kinder, ob gewollt oder nicht, auch mehr Zeit am Bildschirm zu verbringen. Wenn möglich sollte in der Gegenwart von jüngeren Familienangehörigen auf Bildschirmmedien verzichtet und für alternative Beschäftigungsmöglichkeiten gesorgt werden.
Das Internet ist für Kinder ein wichtiger Ort für Austausch, Unterhaltung und vieles mehr. Gleichzeitig gilt es, junge Menschen vor den Risiken zu schützen und so gut es geht in ihrer Medienkompetenz zu fördern, damit ein selbstbestimmter Umgang mit digitalen Medien gelingt. Klare, altersabhängige Regeln, ein Bewusstsein über problematische Verhaltensmuster und die Arbeit an der eigenen Rolle als Vorbild ebnen hierfür den Weg.
Quellen:
[1] Nagata, J. M., Al-Shoaibi, A. A. A., Leong, A. W., Zamora, G., Testa, A., Ganson, K. T., & Baker, F. C. (2024). Screen time and mental health: A prospective analysis of the Adolescent Brain Cognitive Development (ABCD) Study. BMC Public Health, 24(1), 2686. https://doi.org/10.1186/s12889-024-20102-x
[2] Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (mpfs). (2024). JIM-Studie 2024. Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. https://mpfs.de/app/uploads/2024/11/JIM_2024_PDF_barrierearm.pdf
[3] Bundeskanzleramt Österreich. (2026, März 27). Kinderschutz im Netz: Bundesregierung setzt Mindestalter für Social Media fest. https://www.bundeskanzleramt.gv.at/bundeskanzleramt/nachrichten-der-bundesregierung/2026/03/bundesregierung-setzt-mindestalter-fuer-social-media-fest.html
[4] Domoff, S. E., Harrison, K., Gearhardt, A. N., Gentile, D. A., Lumeng, J. C., & Miller, A. L. (2019). Development and validation of the problematic media use measure: A parent report measure of screen media “addiction” in children. Psychology of Popular Media Culture, 8(1), 2–11. https://doi.org/10.1037/ppm0000163
[5] Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ). (2022). S2k-Leitlinie Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in Kindheit und Jugend (Version 1. Auflage). AWMF Register Nr. 027-075. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-075
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