Jugendliche spielen miteinander ein Kartenspiel. © Serhii - stock.adobe.com

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Interaktive Lernmethoden und die Interaktion mit dem Gehirn

Interaktive Methoden bewegen tatsächlich und zwar weit mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Sie beeinflussen unser Denken, unseren Hormonhaushalt und unseren Körper. Sie ermöglichen nicht nur ein einfaches Nachspüren, sondern schaffen die Grundlage für echtes Lernen. Ob kurze Bewegungsspiele, Rollenspiele oder Übungen in Kleingruppen, in vielen Schulen und Bildungseinrichtungen wird längst mit interaktiven Methoden und Übungen gearbeitet. Sie bringen Schwung in den Unterricht und bleiben oft besser im Gedächtnis als ein reiner Vortrag. Doch warum ist das so? Ein Blick in die Neurowissenschaft zeigt, weshalb Bewegung und aktives Mitmachen das Lernen so wirksam unterstützen.

Warum wirkt eine Methode, die spielerisch aussieht, oft tiefer als jeder Vortrag?

Wenn Kinder, Jugendliche aber auch Erwachsene in einem Workshop oder einer Unterrichtseinheit sitzen, bringen sie mehr mit als ihre Aufmerksamkeit. Sie kommen mit ihrem ganzen Körper, mit einem feinen Nervensystem und mit einer Geschichte, die wir oft nicht kennen. Wie erreicht man also Menschen so, dass sie wirklich etwas für sich mitnehmen? Ein Einblick in die Neurowissenschaft hilft bei der Beantwortung dieser Frage. ein Raum mit einer Poststelle, in der alle Sinneseindrücke ankommen. Eine Werkstatt, in der die Eindrücke verglichen, verknüpft und in Bedeutung verwandelt werden. Letztlich ein Büro, in dem Entscheidungen getroffen werden, was als nächstes mit der Information von Poststelle und Werkstatt geschehen soll. Arbeiten diese drei Räume in ruhigem Takt zusammen, fällt Lernen leicht. Doch wenn sich z.B. zu viele „Eilbriefe“ in der Poststelle stauen, etwa durch innere Unruhe, mangelnde Sprachkompetenz oder emotionale Berührung, erreichen Worte allein das Gehirn nicht mehr.

Der Einfluss unseres Körpers ist größer als gedacht!

Schon ein paar ruhige Schritte, gelöste Schultern und Kiefer oder ein längeres Ausatmen verändern spürbar, wie aufnahmebereit ein Mensch im Moment ist. Das autonome Nervensystem hört schneller auf den Körper als auf Sprache. Erst wenn die innere Anspannung sinkt, kann die Werkstatt sortieren, kann das Büro entscheiden, kann ein Inhalt wirklich aufgenommen werden. Bewegung ist deshalb keine Aufwärmübung, sondern der Eingang zum Lernen, vorausgesetzt die Person fühlt sich dabei sicher. Interaktive Methoden und Übungen machen etwas spürbar, das in der Theorie verborgen bleibt. Feine Frühwarnzeichen des eigenen Körpers, wie ein leichtes Herzklopfen, ein enger Brustkorb oder das Bedürfnis nach Abstand, können durch Bewegung nach außen getragen und verkörpert werden. Wer diese Signale früh wahrnehmen kann, kann eigene Grenzen klarer erkennen und zeigen und kann somit auch im Alltag schneller für sich selbst entscheiden[1] . Die Erfahrung, die Kinder und Jugendliche dabei machen können, lässt sich in einen Satz fassen:

„Ich kann meinen eigenen Zustand verändern!“

So wirken interaktive Methoden in unserem Körper

Jede Methode spricht ein bestimmtes Wirkprinzip im Nervensystem an, das über den Körper beeinflusst werden kann. So aktivieren Methoden, welche die Empathie anregen, Spiegelneuronen. Durch Bewegung oder gewisse Körperhaltungen wird unser Gefühlszentrum, die Amygdala, aktiviert. Durch achtsame Methoden wird der Vagusnerv und damit der Parasympathikus aktiviert, welche Entspannung ermöglichen. Diese Verbindung zwischen Körper und Gehirn nennt man Embodiment. Das Gehirn unterscheidet kaum zwischen Vorstellung und Erfahrung[2]. Selbst wenn eine Lösung nur im Kopf durchgespielt wird, werden ähnliche neuronale Netzwerke aktiv, wie beim echten Tun. So bieten interaktive Methoden und Übungen eine Lernplattform, um neue Strategien zu erproben, die später in den Alltag integriert werden können. Solche Methoden und Übungen sind dabei Trainingsgeräte für innere Stärke. Positive Erfahrungen aktivieren unser Belohnungssystem und fördern die Ausschüttung von Dopamin. Gleichzeitig kann sich die Stressreaktion des Körpers beruhigen, sodass der Cortisolspiegel sinkt. Erlebtes kann erfolgreicher im Gehirn abgespeichert werden.[3] Je öfter Strategien angewandt werden, desto stärker werden sie verankert. Das Gehirn funktioniert dabei wie ein Muskel: Wenn Kinder klatschen, stampfen oder springen, verankert sich Wissen über den Körper, oft als „Muskelgedächtnis“ bezeichnet. Dies fördert gezielt die Neuroplastizität des Gehirns.

Selbstwirksamkeit ist ein zentrales Fundament präventiver Bildung

Lernen entsteht durch Erfahrung, nicht durch Belehrung. Was spielerisch wirkt, basiert auf einem tiefen Verständnis und wirkt so über den Workshop hinaus. Selbstwirksamkeit bedeutet, das Gefühl zu haben, durch eigenes Handeln Veränderungen bewirken zu können. Dieses Erleben stärkt aktive Bewältigungsstrategien und bildet damit ein zentrales Fundament für präventive Bildungsarbeit. Interaktive Methoden und Übungen sind keine simplen Spiele, sondern wirken tief und sind wissenschaftlich belegt.

Quellen:

[1] Storch, M., Cantieni, B., Hüther, G., & Tschacher, W. (2017). Embodiment: Die Wechselwirkung von Körper und Psyche verstehen und nutzen (3. Aufl.). Hogrefe.s12889-024-20102-x

[2] Bandura, A. (1997). Self-efficacy: The exercise of control. W. H. Freeman.

[3] Hillman, C. H., Erickson, K. I., & Kramer, A. F. (2008). Be smart, exercise your heart: Exercise effects on brain and cognition. Nature Reviews Neuroscience, 9(1), 58–65. https://doi.org/10.1038/nrn2298

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