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Sie sind überall zu sehen: kleine, stiftartige Geräte, die sich bequem aus der Hosentasche ziehen lassen, fruchtig duften und scheinbar harmlos wirken. Vapes haben die klassische Zigarette innerhalb kürzester Zeit verdrängt. Doch hinter der bunten Fassade steckt ein Produkt, das Nikotin in neuer Form verfügbar macht – und damit eine alte Sucht weiter belebt.
Ob E-Zigarette, E-Shisha oder Vape – die Begriffe werden meist synonym verwendet. Ein Akku erhitzt eine Flüssigkeit, das sogenannte Liquid, das anschließend inhaliert wird. Darin enthalten sind Propylenglykol (bekannt aus Nebelmaschinen bei Konzerten), Aromen und meist Nikotin. Die Verbrennung von Tabak fällt bei diesen Produkten weg. Besonders aber die süßen Geschmacksrichtungen sprechen Jugendliche an. Während wiederbefüllbare Geräte mehrfach genutzt werden können, landen Einwegprodukte oft achtlos im Müll und belasten die Umwelt erheblich. Für Vapes gelten dieselben Rauchverbote wie für herkömmliche Zigaretten. Unterschiede gibt es jedoch bei den weniger strengen Warnhinweisen auf der Verpackung sowie bei der niedrigeren steuerlichen Belastung.
Noch vor wenigen Jahren wurde der Rückgang der Zigaretten-Rauchenden gefeiert. Heute zeigt sich ein anderes Bild: Vapes, Tabakerhitzer, Nikotinbeutel und Co. gewinnen rasant an Beliebtheit – gerade bei Jugendlichen. Studien belegen, dass ein erheblicher Teil regelmäßig konsumiert. Der monatliche Konsum der E-Zigarette hat sich seit 2015 gar vervierfacht. Auffällig ist, dass viele Jugendliche dampfen, ohne je zuvor eine Zigarette geraucht zu haben. Damit sind Vapes für viele der Einstieg in den Nikotinkonsum. Nikotin ist jedoch in jeder Form eine stark abhängig machende Substanz! Damit bleibt die Nikotinabhängigkeit eine der verbreitetsten Süchte in Österreich.
Im Vergleich zur klassischen Zigarette erscheinen Vapes weniger schädlich, da kein Tabak verbrannt wird. Doch die Langzeitfolgen sind kaum erforscht, dafür ist das Produkt zu neu am Markt. Aromen, die als Lebensmittel unbedenklich gelten, können beim Erhitzen und Inhalieren andere, teils gesundheitsschädliche Wirkungen entfalten. Klar ist: Vapes bergen Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, COPD und andere gesundheitliche Probleme. Nikotin selbst bleibt ein stark abhängig machender Stoff, der mit weiteren Krankheiten in Verbindung gebracht wird:
Besonderes Schädigungspotential ist gegeben durch den parallelen Konsum mehrerer Nikotinprodukte, den so genannten multiple use. Dies trifft auf fast drei Viertel der Konsumierenden zu. Hervorzuheben ist, dass Nikotin auf das jugendliche Gehirn besonders riskant wirkt, da es die Entwicklung bestimmter Areale, die beispielsweise für Lernen und Aufmerksamkeit zuständig sind, beeinträchtigen kann. Doch gerade Jugendliche werden von den neuartigen Produkten stark angezogen.
Rauchen war früher vor allem ein soziales Ritual – die (gemeinsame) Zigarettenpause galt als legitimer Grund für eine Auszeit. Heute erfüllt Nikotinkonsum weitere Funktionen. Jugendliche dosieren bewusst, um entspannende oder aktivierende Effekte zu erzielen. Stressabbau, Appetitkontrolle oder auch Mutproben sowie das unauffällige Konsumieren von Nikotinbeuteln spielen eine große Rolle. Der Konsum erfolgt oft zwischendurch und ist damit flexibler als das klassische Rauchen. Der Suchtdruck kann schnell und fast jederzeit gelindert werden, die Abhängigkeit bildet sich damit nicht nur schnell aus, sondern wird auch kontinuierlich verstärkt.
Jugendliche haben vielfältige Herausforderungen zu bewältigen: Schule, Freund*innen, Selbstfindung. Nikotinkonsum kann dabei unterschiedliche Bedeutungen haben – von Stressbewältigung bis hin zu Gruppenzugehörigkeit. Abschreckung und Druck haben sich schon bei der klassischen Zigarette als wenig wirksam erwiesen. Stattdessen braucht es Akzeptanz, offene Gespräche und das Ergründen der individuellen Konsum-Motive, um Alternativen dazu zu finden. Damit erhöht sich die Chance, dass Jugendliche gesundheitsförderliche und bewusste Entscheidungen treffen können. Auch Erwachsene sollten ihre eigene Rolle reflektieren und sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. Unser aller Ziel ist es, dass Jugendliche möglichst gesund durch die sensible Phase von Pubertät und Erwachsenwerden kommen.
Was akzeptierende Jugend- und Suchtarbeit bedeutet sowie welche generellen Maßnahmen hilfreich sein können, Schäden zu minimieren, erfahren Sie in einem weiteren Blogbeitrag zum Weltnichtraucher*innentag 2026.
Statt der gemeinsamen Rauchpause schlagen wir beispielweise das gemeinsame Seifenblasen-Pusten vor. Probieren Sie es doch mal aus 😊
Quellen:
Anzenberger, J., Akartuna, D., Busch, M., Klein, C., Schmutterer, I., Schwarz, T., & Strizek, J. (2023). Epidemiologiebericht Sucht 2023—Illegale Drogen, Alkohol und Tabak. Gesundheit Österreich GmbH.
Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.). (2023). Risiken von E-Zigaretten und Tabakerhitzern. Zugriff am 01.07.2025: https://www.dkfz.de/de/krebspraevention/Downloads/pdf/Buecher_und_Berichte/2023_Risiken-von-E-Zigaretten-und-Tabakerhitzern.pdf
Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.). (2015). Gesundheitsrisiko Nikotin. Fakten zum Rauchen. Zugriff am 01.07.2025: https://www.dkfz.de/fileadmin/user_upload/Krebspraevention/Download/pdf/FzR/FzR_2015_Gesundheitsrisiko-Nikotin.pdf
Lyytinen, G., Brynedal, A., Anesäter, E. et al. (2023). Electronic Cigarette Vaping with Nicotine Causes Increased Thrombogenicity and Impaired Microvascular Function in Healthy Volunteers: A Randomised Clinical Trial. Cardiovasc Toxicol, 23, 255–264. Zugriff am 20.11.2025: https://doi.org/10.1007/s12012-023-09802-9
Schmutterer, I., Klein, C., Akartuna, D. (2023). Neue Nikotinerzeugnisse in Österreich. Factsheet. Gesundheit Österreich GmbH.
Strizek, J., Akartuna, D., Busch, M. & Schwarz, T. (2025). ESPAD Österreich 2024. Gesundheit Österreich GmbH.
Unfairtobacco. (2022, 05. Juni). Tabak zerstört die Umwelt und das Klima. Zugriff am 22.07.2025: https://unfairtobacco.org/tabak-zerstort-umwelt-und-klima/#/
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